Wie viel Wein wächst eigentlich in Deutschland, wo steht er, und wohin entwickelt sich der Markt? Dieser Beitrag fasst die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) und des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMEL) zusammen. Da die amtlichen Endergebnisse mit Verzögerung erscheinen, beziehen sich die meisten Werte auf das Weinjahr 2025. Für 2026 gibt es bislang nur Schätzungen.
Weinerzeugung: ein weiteres unterdurchschnittliches Jahr
Die deutschen Weinbaubetriebe erzeugten 2025 insgesamt 7,55 Millionen Hektoliter Wein und Most, das sind 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2024 lag die Menge sogar um 10,0 Prozent niedriger.
Als Ursache nennt Destatis vor allem das Wetter: Hohe regionale Niederschläge im September erhöhten die Fäulnisanfälligkeit der Trauben und verkürzten den Zeitraum für die Lese. Besonders betroffen waren Rheinhessen und Pfalz, die beiden größten Anbaugebiete.
Das Vorjahr war ebenfalls schwach. 2024 lag die Erzeugung bei 7,75 Millionen Hektoliter, die drittniedrigste Menge der letzten 15 Jahre. Für die Lesart der Zahlen ist wichtig: Die BMEL-Statistik nennt für die Weinmosternte 2025 rund 7,7 Millionen Hektoliter. Davon waren gut zwei Drittel Weißmost und knapp ein Drittel Rotmost. Die Abweichung zu den 7,55 Millionen Hektolitern erklärt sich durch die unterschiedliche Abgrenzung von Ernte und Erzeugung, denn beide Werte beschreiben nicht exakt dasselbe.
Ausblick 2026: Schätzung von 8,0 Millionen Hektolitern
Für das laufende Jahr ist die Prognose etwas freundlicher. Nach der August-Meldung der Ernte- und Betriebsberichterstattung wird die Weinmosternte 2026 auf 8,0 Millionen Hektoliter geschätzt. Das wäre mehr als in den beiden Vorjahren, läge aber immer noch unter dem langjährigen Schnitt. Der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre beträgt laut BMEL etwa 8,7 Millionen Hektoliter. Schätzungen dieser Art beruhen auf Angaben freiwilliger Berichterstatter und werden im Herbst noch angepasst. Bis zum Ende der Lese sollte man sie daher als vorläufig betrachten.
Rebfläche: leichter, aber stetiger Rückgang
2025 wurde in Deutschland auf 101.965 Hektar Wein angebaut, das sind 1.330 Hektar weniger als 2024. Der Rückgang betrifft beide Farben unterschiedlich stark: Die weißen Rebsorten schrumpften um 0,8 Prozent auf 70.884 Hektar, die roten um 2,5 Prozent auf 31.081 Hektar. Rechnerisch stehen damit rund 70 Prozent der Fläche unter weißen Sorten.
Neue Rebflächen dürfen nur sehr begrenzt angelegt werden. Das Weingesetz erlaubt jährlich maximal 0,3 Prozent der Vorjahresfläche als Neuanpflanzung. 2026 wurden insgesamt 62 Hektar genehmigt, davon 18 in Rheinland-Pfalz. In Rheinland-Pfalz liegen fast zwei Drittel der heimischen Rebflächen.
Die wichtigsten Rebsorten in Zahlen
- Riesling: Er ist mit Abstand die bedeutendste weiße Sorte und stand 2025 auf 23 Prozent der Weinbaufläche, das sind 23.890 Hektar.
- Spätburgunder: Die wichtigste rote Sorte belegt 11.250 Hektar, also elf Prozent der Fläche.
- Müller-Thurgau: Seine Fläche sank seit 2015 um rund 2.510 Hektar auf 10.230 Hektar, er bleibt aber die drittgrößte Sorte insgesamt.
- Grauburgunder und Weißburgunder: Der Grauburgunder legte in zehn Jahren um 2.440 Hektar auf 8.390 Hektar zu, der Weißburgunder auf 6.350 Hektar.
- Dornfelder: Die Fläche sank von 7.870 Hektar im Jahr 2015 auf 6.350 Hektar im Jahr 2025.
Der Trend ist klar: Burgundersorten gewinnen, Müller-Thurgau und Dornfelder verlieren. Die Rebsortenwahl folgt damit dem Geschmack der Kundschaft und dem Wunsch nach Sorten, die mit Klimaveränderungen und Marktbedingungen gut zurechtkommen.
Regionale Unterschiede
Die Größenordnung der Anbaugebiete ist sehr ungleich verteilt. Nach der Ernteschätzung vom September 2025 entfielen 51 Prozent der Gesamternte auf Rheinhessen (2,2 Millionen Hektoliter) und die Pfalz (2,0 Millionen Hektoliter), weitere 26 Prozent auf Baden (1,2 Millionen) und Württemberg (911.000 Hektoliter).
Die kleinen Gebiete reagieren dagegen deutlich stärker auf Wetterextreme. In Sachsen stieg die Erzeugung 2025 um 227,9 Prozent auf 29.500 Hektoliter, an der Ahr um 71,2 Prozent auf 38.400 Hektoliter. Ein Jahr zuvor war es umgekehrt: 2024 brach die Erzeugung in Sachsen um 68,9 Prozent und an der Ahr um 54,5 Prozent ein. Für Betriebe in kleinen Gebieten bedeutet das große Schwankungen von Jahr zu Jahr.
Qualitätsstufen
Deutscher Wein wird überwiegend als Qualitätswein erzeugt. 2024 lag der Prädikatsweinanteil bei 16,1 Prozent und der Qualitätsweinanteil bei 77,6 Prozent (6,0 Millionen Hektoliter). Der Prädikatsanteil hängt stark vom Jahr ab, denn 2023 waren es noch 23,7 Prozent. Aktuelle Werte für 2025 finden sich in den Tabellen von Destatis.
Vorräte: die Keller sind gut gefüllt
Am 31. Juli 2025 lagerten 12,1 Millionen Hektoliter Wein in den Kellern der Erzeugerbetriebe und des Handels, 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Gegenüber dem langjährigen Mittel liegt der Bestand um 1,0 Prozent höher. Das zeigt: Trotz kleinerer Ernten ist der Markt nicht knapp versorgt, was die Preisspielräume der Winzer begrenzt. Auch spannend: Wie bedankt man sich für einen schönen Abend? 2026
Betriebsstruktur: weniger, aber größere Betriebe
Der Weinbau konzentriert sich zunehmend. 2010 gab es noch rund 6.050 Betriebe mit weniger als einem Hektar Rebfläche, die Agrarstrukturerhebung 2023 zählte nur noch 3.160. Die Zahl der größeren Betriebe blieb stabil, die der sehr großen stieg sogar. Rebland macht nur einen kleinen Teil der Agrarfläche aus: etwa 0,6 Prozent.
Fazit
Die Kennzahlen für 2026 lassen sich so zusammenfassen: Die Rebfläche schrumpft langsam auf rund 102.000 Hektar, die Ernten liegen seit Jahren unter dem früheren Durchschnitt, und die Sortenstruktur verschiebt sich zugunsten der Burgunder. Die Prognose von 8,0 Millionen Hektolitern für 2026 macht vorsichtig Hoffnung auf ein besseres Jahr. Wie viel davon tatsächlich im Keller ankommt, zeigt sich erst nach der Lese.
Quellen
- Destatis, Pressemitteilung Weinerzeugung 2025
- Weinonaut, Überblick zu Rebsorten
- BMEL-Statistik, Weinbau
Hinweis: Die 2026er Zahlen sind Schätzungen und können sich nach der Lese noch ändern.
