Der demografische Wandel gehört zu den prägenden Themen für Deutschlands Zukunft – für Rentensystem, Pflege, Arbeitsmarkt und öffentliche Haushalte gleichermaßen. Drei Entwicklungen laufen 2026 gleichzeitig ab: Die Gesellschaft altert spürbar, die Geburtenzahlen fallen auf ein historisches Tief, und die Zuwanderung, die lange als Ausgleich diente, hat deutlich nachgelassen. Ein Überblick über die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts.
Eine alternde Gesellschaft
Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer (1955 bis 1969) befinden sich derzeit im Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand. Bereits 2024 waren rund 23 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre oder älter – 1991 lag dieser Anteil noch bei 15 Prozent. Die absolute Zahl der Menschen ab 65 Jahren stieg im selben Zeitraum von 12 auf 19 Millionen.
Noch deutlicher wird der Trend bei der Gruppe der 67-Jährigen und Älteren, dem klassischen Renteneintrittsalter: Laut der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung von Destatis wird bereits 2035 jede vierte Person in Deutschland 67 Jahre oder älter sein – 2024 war es erst jede fünfte. Bis Mitte der 2030er-Jahre soll die Zahl der Menschen im Rentenalter je nach Entwicklung der Lebenserwartung auf 20,5 bis 21,3 Millionen steigen, das sind 3,8 bis 4,5 Millionen mehr als heute. Gleichzeitig wird die Bevölkerung im klassischen Erwerbsalter zwischen 20 und 66 Jahren spürbar schrumpfen – selbst bei hoher Zuwanderung rechnet Destatis bis Mitte der 2030er-Jahre mit einem Rückgang um etwa 3,2 Millionen Personen in dieser Gruppe.
Die Alterung verläuft regional sehr unterschiedlich. In den ostdeutschen Flächenländern liegt der Anteil der Menschen ab 65 Jahren mit 27 bis 29 Prozent deutlich über dem Westniveau von 20 bis 22 Prozent; Sachsen-Anhalt führt mit knapp 29 Prozent. Am jüngsten sind die Stadtstaaten Berlin und Hamburg, die durch Ausbildung und Berufseinstieg viele junge Erwachsene anziehen.
Geburten auf dem niedrigsten Stand seit 1946
Parallel zur Alterung sinkt die Zahl der Geburten. Nach endgültigen Ergebnissen kamen 2025 in Deutschland 654.241 Kinder zur Welt – 3,4 Prozent weniger als 2024 (677.117) und der niedrigste Wert seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Es ist bereits das vierte Jahr in Folge mit rückläufigen Geburtenzahlen.
Die zusammengefasste Geburtenziffer, umgangssprachlich Geburtenrate genannt, fiel 2025 auf 1,32 Kinder je Frau – ein Rückgang um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1,35). Ein derart niedriger Wert wurde zuletzt 2006 gemessen; noch niedriger lag die Geburtenziffer nur Mitte der 1990er-Jahre mit einem Tiefstwert von 1,24. Zwischen den Bundesländern gibt es erhebliche Unterschiede: Sachsen kommt auf 1,16 Kinder je Frau, Niedersachsen auf 1,38. Auch zwischen Ost- und Westdeutschland klafft eine Lücke: 1,22 im Osten (ohne Berlin) gegenüber 1,34 im Westen.
Der Rückgang hat zwei Ursachen: eine vergleichsweise kleine Zahl potenzieller Mütter, da die geburtenschwachen Jahrgänge der 1990er-Jahre nun selbst im Elternalter sind, sowie eine sinkende Geburtenhäufigkeit. Destatis weist zudem darauf hin, dass sich der Rückgang der Geburtenziffer in praktisch allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zeigt.
Zuwanderung reicht nicht mehr aus, um das Defizit auszugleichen
Seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 sterben in Deutschland jedes Jahr mehr Menschen, als geboren werden. Normalerweise gleicht die Zuwanderung dieses Geburtendefizit aus – 2025 gelang das erstmals seit 2020 nicht mehr.
Nach endgültigen Ergebnissen der Wanderungsstatistik zogen 2025 rund 1,48 Millionen Menschen nach Deutschland, während rund 1,25 Millionen das Land verließen. Daraus ergab sich eine Nettozuwanderung von rund 235.000 Personen – ein Rückgang von 45 Prozent gegenüber 2024 (430.000). Der Einbruch geht vor allem auf sinkende Zuzüge zurück (minus 13 Prozent), während die Zahl der Fortzüge nur leicht sank (minus 2 Prozent).
Ein wesentlicher Grund für die geringere Zuwanderung ist der Rückgang aus den Hauptherkunftsländern von Asylsuchenden: Die Nettozuwanderung aus Syrien brach im Vergleich zum Vorjahr um 67 Prozent ein, von 75.000 auf 25.000 Personen. Insgesamt trugen 2025 Menschen aus Asien am meisten zur Nettozuwanderung bei (plus 158.000), gefolgt von Europa (plus 85.000) und Afrika (plus 54.000).
Auffällig ist zudem die Entwicklung bei deutschen Staatsangehörigen: Seit 2005 wandern per Saldo mehr Deutsche aus als zurückkehren. 2025 verließen rund 97.000 Deutsche das Land mehr, als zurückkamen – ein etwas höherer Wanderungsverlust als 2024 (minus 81.000). Beliebteste Zielländer deutscher Auswanderer waren die Schweiz, Österreich und Spanien.
Was das für die Gesamtbevölkerung bedeutet
Die Kombination aus mehr Sterbefällen als Geburten und schwächerer Zuwanderung führte 2025 zum ersten Bevölkerungsrückgang seit der Corona-Pandemie: Ende 2025 lebten rund 83,5 Millionen Menschen in Deutschland, etwa 100.000 weniger als Ende 2024. Zum 31. März 2026 waren es nach vorläufigen Zahlen noch 83,4 Millionen.
Auf lange Sicht rechnet Destatis in der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung damit, dass der Anteil der 67-Jährigen und Älteren von derzeit rund einem Fünftel bis 2070 auf über ein Viertel steigen könnte, während der Anteil der Erwerbsbevölkerung zurückgeht. Wie stark sich dieser Trend tatsächlich entwickelt, hängt maßgeblich von zwei Stellschrauben ab, die sich politisch und gesellschaftlich beeinflussen lassen: der Geburtenentwicklung und dem Ausmaß der künftigen Zuwanderung.
Fazit
Deutschland steht mitten in einem demografischen Umbruch: Eine große Zahl von Menschen erreicht das Rentenalter, während gleichzeitig so wenige Kinder geboren werden wie seit fast 80 Jahren nicht mehr. Die Zuwanderung, die diese Lücke bislang meist ausgeglichen hat, ist 2025 deutlich zurückgegangen. Für Rentenversicherung, Pflege und Arbeitsmarkt bedeutet das wachsenden Handlungsdruck – die genaue Richtung der kommenden Jahre wird sich erst mit den endgültigen, für Sommer 2026 angekündigten Zahlen klarer abzeichnen.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): „Bereits 2035 wird in Deutschland ein Viertel der Bevölkerung 67 Jahre und älter sein“ (Pressemitteilung, 11. Dezember 2025) https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_446_12.html
- Statistisches Bundesamt (Destatis): „Zusammengefasste Geburtenziffer sinkt im Jahr 2025 auf 1,32 Kinder je Frau“ (Pressemitteilung, Juli 2026) https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_230_12.html
- Statistisches Bundesamt (Destatis): „Nettozuwanderung 2025 mit 235.000 Personen deutlich gesunken“ (Pressemitteilung, Juni 2026) https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/06/PD26_184_12411.html
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Bevölkerung ab 65 Jahren – Bevölkerungsfortschreibung https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aeltere-Menschen/bevoelkerung-ab-65-j.html
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Künftige Bevölkerungsentwicklung – 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aspekte/demografie-bevoelkerungsentwicklung.html
Stand der Zahlen: August 2026. Einzelne Werte für 2025/2026 sind vorläufig und können bei der endgültigen Veröffentlichung durch Destatis noch leicht revidiert werden.
