Ein Zuhause besteht aus mehr als vier Wänden. Es lebt von den Menschen, die in ihm ein- und ausgehen, von den Geschichten, die dort erzählt werden und den gemeinsamen Momenten, die man hier erlebt. Aber tatsächlich braucht man die vier Wände dafür natürlich auch. Denn ein eigenes Haus ist ein Rückzugsort, in dem man sich so richtig entfalten kann. Doch was wäre, wenn es überhaupt nicht realistisch wirkt, sich irgendwann einmal ein eigenes Haus leisten zu können?
Disclaimer: Bei diesem Beitrag handelt es sich nicht um eine Anlageberatung. Berücksichtigen Sie, dass Investitionen auch mit Risiken verbunden sind!
Der wirtschaftliche Kontext
Viele junge Deutsche leiden unter dem Druck ihrer monatlichen Mieten und der unsicheren Zinsentwicklung. Und der eine oder andere hat schon die Hoffnung verloren, sich irgendwann einmal ein eigenes Haus leisten zu können. Jahrzehntelang war die klassische Antwort auf diese Sorge das Bausparen. Aber wir leben in Zeiten niedriger Guthabenzinsen und flexibler Kreditangebote. Ist das Bausparen sinnvoll, wenn man sich entweder gar kein eigenes Haus leisten kann oder es lieber auf andere Art und Weise finanziert? Ist es noch zeitgemäß und passt es überhaupt noch in die Welt, in der wir leben? Und wann lohnt es sich vielleicht und wann nicht? Diese und weitere Fragen beantworten wir hier.
Die Grundlagen des Bausparens
Beim klassischen Bausparen handelt es sich um eine Kombination aus dem eigenen Sparen und einem Darlehen, das dem Sparer gegeben wird, weil er mit dem regelmäßigen Einzahlen über einen gewissen Zeitrahmen zeigt, dass er finanziell verlässlich ist. Ein klassischer Bausparvertrag besteht dabei aus drei Phasen. Die erste Phase ist die Sparphase und besteht aus monatlichen Einzahlungen, mit denen man selbst einen bestimmten Prozentsatz der Bausparsumme ansammelt. In der Regel sind das zwischen 30 und 40 %. Anschließend geht der Vertrag in die Zuteilungsphase über, wird also zuteilungsreif. Das bedeutet, dass die Ansparsumme erreicht und eine bestimmte Bewertungskennzahl erfüllt ist. In der Darlehensphase angekommen, kann der Bausparer dann zinsgünstig ein zweckgebundenes, also an den Bau, Kauf, die Modernisierung oder Renovierung geknüpftes Darlehen in Anspruch nehmen und von den besseren Bedingungen Gebrauch machen.
Wie Bausparer von dem Vertrag profitieren
Auch wenn der Bausparvertrag auf den ersten Blick etwas altmodisch erscheinen mag: Es gibt durchaus Argumente, die für ihn sprechen. Einer der größten Vorteile ist natürlich die Zinssicherheit. Wer heute einen Vertrag abschließt, sichert sich damit bereits einen festen Darlehenszins für morgen. Und das unabhängig davon, wie sich der Markt entwickelt. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oder steigender Zinsen kann das ein entscheidender Vorteil sein. Hinzu kommt, dass Bausparen durch staatliche Förderungen wie die Wohnungsbauprämie oder die Arbeitnehmersparzulage attraktiver wird – zumindest für die, die bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Auch vermögenswirksame Leistungen vom Arbeitgeber können in den Vertrag eingezahlt werden und den eigenen Sparanteil erhöhen. Auf diese Weise wird der Aufbau von Eigenkapital planbarer und teilweise sogar gefördert. Und dann hat ein Bausparvertrag auch noch eine psychologische Wirkung. Wer sich über Jahre hinweg an ein festes Sparziel hält, spart nicht nur Geld, sondern zeigt auch Disziplin. Für viele ist das ein strukturierter Weg zu den eigenen vier Wänden – besonders dann, wenn dieses Ziel noch in weiter Ferne liegt.
Argumente dagegen
Natürlich ist das Bausparen nicht frei von Kritik. Denn in der Sparphase selbst sind die Zinsen meist verschwindend gering, oft sogar unterhalb der Inflationsrate. Das bedeutet, dass das gesparte Geld real an Wert verliert. Abschlussgebühren und mögliche Kontoführungsgebühren schmälern das tatsächliche Guthaben. Und dann kommt ein weiterer Punkt dazu. Wer heute flexibel bleiben möchte, kann sich mit einem starren Sparplan und einer langen Bindung eher einschränken als sich tatsächliche Vorteile zu sichern. Gerade dann, wenn sich Lebenssituationen ändern (ein Jobwechsel, ein Umzug, eine Trennung oder neue Pläne), ist der Bausparvertrag nicht immer das passende Instrument.
Für wen es sich lohnt
Trotz all dieser Überlegungen bleibt das Bausparen für einige Menschen trotzdem sinnvoll. Zum Beispiel für junge Erwachsene, die gerade ins Berufsleben starten und noch keine genauen Vorstellungen vom späteren Wohnort oder der Immobilie haben, aber wissen, dass sie irgendwann mal ein eigenes Haus haben möchten. Oder für Familien, die wissen, dass sie in fünf oder zehn Jahren sanieren, anbauen oder energetisch modernisieren möchten. Denn auch wenn sich nicht jeder Wohntraum sofort erfüllen lässt, kann Bausparen ein erster, ruhiger Schritt in Richtung der eigenen vier Wände sein.